Quicksilver 690 Arvor

Momentan bietet Brunswick Marine unter dem Markennamen Quicksilver gleich sieben GFK-Boot- Serien mit insgesamt mehr als 30 Modellen an. Im Bundesgebiet erfolgt der Vertrieb der Boote über 20 autorisierte Fachhändler. Insbesondere auf die Anforderungen von Sportfischern zugeschnitten, splittet sich die CapturRange in die Baureihen Fish, Pilothouse und Arvor. Die runderneuerte ArvorFamilie wird nach wie vor in der polnischen Werft Balt-Yacht auf Kiel gelegt. Zusammen mit dem etwas größeren Schwesterschiff, der Captur 730 Arvor, debütierte die auffallend kompakte Captur 690 Arvor im Herbst 2014. Einem breiten Publikum zugänglich gemacht wurde die mit einem kräftigen Zugfahrzeug trailerbare Quicksilver während der diesjährigen „boot Düsseldorf“. Vermutlich lässt sich mit dem unverkennbar auf Funktionalität abzielenden Design der exakt 6,88 x 2,54 m messenden Testkandidatin jetzt und in Zukunft kein Schönheitspreis gewinnen, doch alles an Bord ist zweckmäßig konstruiert und entsprechend solide ausgeführt. In Sachen Verarbeitungsqualität weiß die von der Firma Bootscenter Kiel bereitgestellte 690er dann auch grundsätzlich zu überzeugen. Das Gelcoat-Finish hinterlässt einen glänzenden Eindruck, die stählernen Beschläge wurden passend dimensioniert und – abgesehen von den eingesparten Mittelklampen – genau dort verschraubt, wo man sie in der Praxis benötigt. Das unbelastet 1.740 kg schwere Wasserfahrzeug wird als aufwendiges Handlaminat aus der Form gehoben und besitzt die CE-Zertifizierung C, die einen Einsatz in Küstennähe erlaubt. Für die erforderliche statische Rumpffestigkeit sorgt ein komplexes Spantensystem und der durchlaufende, mit einer schützenden Metallleiste verstärkte Kiel, der obendrein für die ausgezeichnete Fahrstabilität des offiziell für sechs Personen geeigneten Bootes zuständig ist. Das mit zwei großen Lenzabflüssen und einer Deckswaschanlage ausgestattete Cockpit der im Standard blütenweißen Arvor-Novität geriet enorm weitläufig.

Die rutschhemmend strukturierte Bodenfläche beträgt 240 x 190 cm, und an Steuerbord gibt es einen bequemen Sitz mit cleverem Klappmechanismus. Als innere Bordwandhöhe notieren wir passable 70 cm. Somit erwarten den Petrijünger ideale Voraussetzungen zum ungestörten Ausüben seines Hobbys. Sperrige Gegenstände, gemeint sind Angelruten, Kescher, Reusen und Fender, verschwinden in abschließbaren Staufächern. Auch an ein spritzwassergeschütztes Schränkchen für Kleinutensilien wie Posen, Blinker und Grundbleie wurde gedacht. Der Fang wird in einer ins Achtersüll integrierten und bewässerbaren Fischkiste mit Sichtfenster frisch gehalten. Im Schwerpunkt des Bootes befindet sich der perfekt zugängliche Motorraum, dessen Abdeckhaube vollständig nach oben geschwenkt werden kann – servicefreundlicher geht es nicht. Die Verbindung zum 50 cm tiefen Badesteg mit mittig postiertem Hilfsmotorspiegel kommt durch einen 37 cm breiten Durchstieg zustande, wobei die Hecktür nach innen öffnet. Eine bewährte Konstruktionslösung wurde im vorderen Bereich des Cockpits angewandt, und zwar insofern, als dass der Kabinenaufbau einen Tick nach Backbord versetzt ist. Folglich entstand steuerbords ein 22 cm breites Laufdeck, das den Gang zur generell mitgelieferten elektrischen Ankerwinde an der Bugspitze auch bei widriger Witterung und schaukelndem Schiff zu einer sicheren Angelegenheit macht. Erst recht, da, wie auch an der Backbordseite, eine immerhin 20 cm hohe Schanz vorhanden ist. Backbords reduziert sich die Gangbordbreite auf gerade noch ausreichende 14 Zentimeter. Weitere sinnvolle Details sind der in die Kunststoff-schale eingeformte Bugspriet sowie die fachgerecht befestigte Seereling aus rostfreiem Stahl. Das durch eine Schiebetür zu betretende Ruderhaus wurde ganz bewusst recht einfach möbliert.

Vom Boden bis zur Decke messen wir eine lichte Höhe von 205 cm. Die mit maßgeschneiderten Einlegepolstern bis zu 203 cm lange und maximal 213 cm breite Doppelkoje eignet sich ohne Weiteres zum gelegentlichen Übernachten. Unter den Polsterauflagen kommt, falls gewünscht, eine mit 1.350 Euro gelistete Pump-Toilette zum Vorschein, der im WC-Paket enthaltene Septiktank fasst 40 Liter. Applaus verdient der klar gegliederte Steuerstand, der zum einen eine astreine Rundumsicht bietet und zum anderen mit einem äußerst praktischen Trolling-Ventil aufwartet. So lässt sich die Geschwindigkeit des Bootes, ganz wichtig beim Schleppfischen, auf zeitlupenähnliche 0,7 Seemeilen pro Stunde verringern. Etwas mehr Seitenhalt würde den beiden Einzelsitzen gut zu Gesicht stehen. Zumindest eine Überlegung wert ist der als Extra verfügbare Außensteuerstand, der sich speziell bei Schleusen- und Andockmanövern bezahlt macht. Die serienmäßige hydraulische Ruderanlage arbeitet angenehm leichtgängig und präzise, was aber nicht darüber hinwegtäuscht, dass die Arvor im Rückwärtsgang nur widerwillig auf Lenkbefehle reagiert. Abhilfe schafft ein Bugstrahler, der allerdings nicht als Originalzubehör angeboten wird. Unser Testbootlieferant korrigiert diesen bedauerlichen Umstand und montiert den allseits beliebten Einparkassistenten für gut angelegte 3.990 Euro. Vom selben Profi nachgerüstete elektrische Trimmklappen werden mit überschaubaren 1.500 Euro in Rechnung gestellt. Befeuert wird die Captur 690 Arvor von einem leistungsbezogen hervorragend angepassten Vierzylinder-Turbodiesel. Der als alternativlose Standardmaschine verbaute Cummins MerCruiser QSD 2.0 L schickt spritzige 84,6 kW (115 PS) an die Antriebswelle. Das emissionsarm abgestimmte Zweiliter-Aggregat bringt den knuffigen 23-Footer bei 1.500 Umdrehungen auf 6,7 Knoten Fahrt. Mit 2.000 Touren und 10,2 Knoten bewegt sich die durchaus rauwassertaugliche Arvor bereits als »Halbgleiter« über die kabbelige Ostsee, ehe mit konstanten 2.500 min-1 wirklich flotte 17 Knoten Cruising Speed zu Buche stehen. Unter einer abgelesenen Volllastdrehzahl von 3.150 min-1 erscheinen sehr beachtliche 23,5 Knoten auf dem GPS-Display. Die mustergültige Krängungsstabilität in forciertem Kurventempo ist ebenso zu loben wie der kleine Wendekreis von maximal anderthalb Schiffslängen. Punktabzüge zur Folge hat der übers gesamte Drehzahlband vergleichsweise hohe Lärmpegel, der primär auf die verbesserungswürdige Geräuschdämmung des Maschinenabteils zurückzuführen ist.

Die unkompliziert zu handhabende Arvor erweist sich als agiles Kabinenboot für den Meeresangler. Ein praxisorientiertes Basis-Equipment, viel Platz für die bis zu sechsköpfige Crew, zwei vernünftig bemessene Bedarfskojen, Stauvolumen en masse, vorbildlich sichere Laufeigenschaften und die zeitgemäße Sparsamkeit des Triebwerks sind stichhaltige Argumente, die für eine Kaufentscheidung sprechen. Hinzu kommt, dass man mit der ermittelten Spitzengeschwindigkeit von immerhin 43 km/h auch entlegene Fanggründe erreichen kann. (aus Skipper 05/2015)

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