Quicksilver Activ 605 Open

Die Boote der Marke Quicksilver erfreuen sich großer Beliebtheit. Einerseits ist das dem Preis-Leistungsverhältnis geschuldet, das beim Publikum Anklang findet, andererseits dem flächendeckenden Händlernetz, das in Deutschland allein 20 Betriebe umfasst. Aber auch die Produktvielfalt kann sich sehen lassen, denn bei der zum amerikanischen Brunswick-Konzern gehörenden Marke stehen derzeit nicht weniger als 31 Modelle zur Wahl. Und die werden u.a. auch in Polen und Portugal gefertigt.

Die von uns getestete Quicksilver Activ 605 Open ist seit 2012 verfügbar. Vom Konzept und Layout ist dieses Boot vornehmlich für Familien ausgelegt, die damit Tagestouren unternehmen möchten, aber auch für Angeltouren oder zum Wakeboarding bzw. Wasserskilaufen. Die Activ 605 wird auch Eigner interessieren, die nicht nur auf ein Revier beschränkt bleiben wollen, denn mit einem Leergewicht von knapp einer Tonne ist das Schiff auch für den Straßentransport per Trailer hinter dem Privatfahrzeug geeignet.

Platz für Mensch und Material
Wie andere Hersteller nutzt Quicksilver eine breite Bugform zur Raummaximierung im Vorschiff, verjüngt den Rumpf weiter unten allerdings stark auf eine tiefe V-Form. Die serienmäßig montierte Edelstahl-Reling ist nach vorne für den bequemen Zutritt offen, ein Ankerkasten ist serienmäßig eingebaut, das Geschirr und eine elektrische Ankerwinde gehören zu den Optionen. Die großzügigen Platzverhältnisse im Vorschiff nutzte die Werft zur Installation von zwei Sitzbänken, die schon mal vier der maximal sieben zulässigen Personen Platz bieten. Durch Einlegeteile kann der gesamte Bereich vorne aber auch in eine große Liegefläche zum Sonnenbaden verwandelt werden. Gepäck und diverse Ausrüstungsgegenstände verschwinden in den Stauräumen unter den Sitzflächen und in der stabil ausgeführten Zentralkonsole. Zusätzliche Sicherheit bei rauem Wasser bieten der Handlauf der Windschutzscheibe und ein Haltegriff auf der Beifahrerseite.

Ablagen und Getränkehalter fehlen am Steuerstand ebenso wenig, wie der zusätzliche Platz am Instrumententräger, der z.B. einen Simrad- Kartenplotter mit 7-Zoll-Schirm aufnehmen kann, der in der Zubehörliste steht. Wer allerdings einen Kompass sucht, muss zum Ausrüster, denn der ist weder Standard noch Option. Doch für Sitzgelegenheiten wird gesorgt: Für Steuermann und einen Beifahrer gibt es bequeme Schalensitze mit klappbaren Sitzflächen, die sich auch nach hinten drehen lassen, womit sie Teil der Sitzgruppe werden, die aus einem serienmäßig gelieferten Tisch besteht und einer Dreier-Sitzbank im Heck, unter der sich die Batterie befindet und wo sich auch Sportgeräte und Zubehör unterbringen lassen. Tisch und Polster der vorderen Liegefläche verschwinden übrigens bei Nichtgebrauch, denn Ablagen und Stauräume gibt es dafür auf der Activ 605 Open mehr als genug.

Ein Teil der Lehne der Rücksitzbank lässt sich an der Backbordseite öffnen, wodurch ein breiter Durchgang zur Badeplattform und der dort installierten Badeleiter entsteht. Am Testboot waren auch noch die wahlweise angebotenen Verlängerungen der Plattform montiert. Ein Wasserskimast sowie zwei Rutenhalter für Angler gehören zur Serienausstattung, womit das Boot seinen Anspruch Vielfältigkeit unterstreicht. Nicht Standard ist die Heckdusche, die aus einem 45-Liter Frischwassertank gespeist wird. Sie steht auf der Optionsliste oder kann mit dem zweckmäßigen Ausstattungspaket „SMART-Edition“ bestellt werden. Das kostet 1.990 Euro und enthält auch die Sonnenliegen-Erweiterung für den Bug, Bimini und Stereo-Radio.

Skalierbarer Schub
Grundsätzlich ist die Quicksilver 605 Activ nur Motoren mit XL-Langschaft verwendbar. Als Einstiegsmotorisierung wird der Mercury F 115 EFI angeführt, der nun auch in der Command-Thrust-Version erhältlich ist. Der Vorteil des größeren Getriebes ist dabei das höhere Drehmoment bei niedrigeren Drehzahlen, das Vorteile beim Start von Wasserski- oder Wakeboardfahrern bringt. Maximalmotorisierung ist der ebenfalls gelistete Mercury F 150 EFI. Unser Testboot war hingegen mit dem brandneuen Mercury F 100 EFI ausgestattet, der wie der 115 EFI auf einem 2,1-Liter-Reihenvierzylinder aufbaut. In der Testkonfiguration und mit zwei Personen an Bord war in fünf Sekunden bei 14 Knoten die Gleitfahrt erreicht, bis zur Höchstgeschwindigkeit von knapp 28 Knoten vergingen insgesamt 14 Sekunden. Das sind recht passable Werte für den kleinsten empfohlenen Antrieb. Bei einer Reisegeschwindigkeit von rund 20 Knoten, (ca. 4000 Umdrehungen), lag der Verbrauch bei 18,6 Litern Benzin pro Stunde. Abzüglich einer Sicherheitsreserve von 15 Prozent bedeutet dies eine Reichweite von ca. 100 Seemeilen mit dem 110-Liter-Einbautank. Der Motor fiel durch seine Laufruhe auf und hing sehr gut am Gas, was sich positiv auf Fahrverhalten und das subjektive Spaßempfinden auswirkte. Wer allerdings oft mit höherer Zuladung unterwegs ist oder dem Brettsport zugeneigt ist, wäre mit der Spitzenmotorisierung wohl besser bedient.

Generell war dem Boot tadelloses Fahrverhalten bei gutem Geradeauslauf und stabiler Kurvenfahrt zu bescheinigen. Durch die hohen Bordwände fühlen sich die Fahrgäste auf dem für küstennahe Gewässer (CE-Kategorie C) zugelassenen Boot stets sicher. Nur bei sehr schnell und eng gefahrenen Vollkreisen zog der Propeller irgendwann Luft. Kentergefahr trat aber auch bei derartigen Manövern nie auf. Das Einleiten der Kurvenfahrt ist dank der serienmäßigen Hydrauliklenkung kinderleicht. Und auch Hafenmanöver waren problemlos auszuführen, da das Boot im Leerlauf eingekuppelt nur 1,7 Knoten macht. Ein Manko bei der Beschlagsausrüstung ist die fehlende Mittelklampe, mit der Anlegemanöver im Einhandbetreib leichter vonstattengingen.

Viel Boot fürs Geld
Die Quicksilver 605 Activ Open ist ein familientaugliches Boot mit vielseitigen Einsatzmöglichkeiten. Für den Einstiegspreis von 25.229 Euro, inklusive Motor (plus 1100 Euro Frachtpauschale) gibt es erstaunlich viel Boot mit einwandfreien Fahreigenschaften und ordentlicher Verarbeitung. Obwohl der getestete 100-PS-Antrieb überzeugte, wäre doch abzuwägen, ob sich die Mehrinvestition von 4000 Euro für die Topmotorisierung (Mercury F 150 EFI) lohnt, die größere Reserven und deutlich höhere Spitzengeschwindigkeiten bieten sollte. Aber auch in Sachen Wirtschaftlichkeit und Geräuschminimierung könnte ein stärkerer Motor Sinn machen, weil die gewünschten Fahrleistungen oft mit geringerer Drehzahl erreicht werden. (aus de.boats.com 22.05.2015)

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