Quicksilver Activ 855 Weekend

Die Quicksilver Activ 855 Weekend wurde bereits im Herbst 2013 vorgestellt, allerdings noch mit der Bezeichnung „Cruiser“ wobei das Boot in Deutschland seit Anfang 2014 auf dem Markt ist. Mit knapp neun Metern Gesamtlänge ist die GFK-Konstruktion aus polnischer Produktion das Flaggschiff der Werft, die 1993 vom amerikanischen Brunswick-Konzern gegründet wurde und sich nach qualitativen Verbesserungen einen Namen für clevere Konstruktionen bei einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis erarbeitet hat.
Die Quicksilver Activ 855, die sich nun mit dem Beinamen Weekend schmückt, ist dank eines komplett verschließbaren Deckshauses allwettertauglich, also auch in höheren Breitengraden in der Vor- und Nachsaison noch gut einsetzbar. Dank der kompakten Abmessungen eignet sich diese Yacht gut für Binnengewässer, wäre aber mit ihrer Einstufung in der CE-Kategorie B mit bis zu 10 Personen an Bord auch außerhalb von Küstengewässern legal zu betreiben.

Dem Hersteller ging es darum, eine möglichst breite Publikumsschicht anzusprechen, weshalb Kunden bei den Antrieben aus fast einem Dutzend verschiedenen Optionen mit einem oder zwei Außenbordern wählen oder sich für eine Version mit Z-Antrieb mit Benzin oder Dieselaggregaten entscheiden können. Die Yacht wird darüber hinaus in sechs Ausstattungspaketen angeboten, die eine exakte Anpassung an individuelle Vorstellungen und Bedürfnisse ermöglichen, egal ob es sich dabei um gemütliches Kreuzen auf Binnengewässern handelt oder um Angeltouren an der Küste. Durch die beiden Kabinen und konvertierbare Sitzflächen im Salon können bis zu fünf Personen an Bord übernachten.

Neun Meter und viele Möglichkeiten
Schon das Grundlayout ist durchdacht, es wird kein Platz unnötig verschenkt. Dies geht zu Lasten der Gangborde, die ungleich breit sind. An Steuerbord misst die maximale Breite 30 cm, während es an Backbord nur halb soviel ist, aber immer noch ausreichen Platz für das Manövrieren lässt. Die eingesparten Zentimeter kommen der Breite des Innenraums zugute. Ein weiteres nützliches Detail ist die Schiebetür am Steuerstand, die dem Rudergänger den schnellen Zugang zur Reling und zur mittleren Klampe gibt, womit Anlegemanöver oder das Schleusen auch einhändig zu bewerkstelligen sind.
Für den Platzgewinn auf der Badeplattform verschiebt man einfach die auf Schienen gelagerte hintere Sitzbank nach vorne, womit auch der Raum im Cockpit für eine gesellige Abendrunde arrangiert werden kann. Soll allerdings die volle Badeplattform fürs Angeln, Tauchen oder Wakeboarden genutzt werden, empfiehlt sich eine Motorisierung mit Innenborder.
Wer auf den Komfort von Sonnenliegen, elektrische Ankerwinden oder einen Cockpittisch nicht verzichten möchte, wird in den erwähnten Ausstattungspaketen fündig, wobei aber einige sinnvolle Extras bereits Bestandteil der Serienausstattung sind, wie beispielsweise Kabinen- und Cockpitpolster, ein Gaskocher, das Pump-WC oder die hydraulische Lenkung.

Mit Deckshaus ein Allwetterschiff
Eine voll verschließbare Schiebetür trennt das Achtercockpit vom Deckshaus, in dem an Steuerbord eine Pantry installiert ist, die serienmäßig mit Waschbecken und zweiflammigem Gasherd eingerichtet ist. Mikrowelle oder Kühlschrank müssen mit dem „Kabinen Komfort Paket“ für 2.510 Euro bestellt werden, in dem auch der nützliche Landanschluss enthalten ist.
An Backbord befindet sich eine variable Sitzgruppe mit einem etwas wackeligen Tisch für vier Personen, die etwas umständlich sowohl in zwei nach vorne ausgerichtete Einzelsitze, als auch in eine Liegefläche verwandelt werden kann. Die ist allerdings mit einer Breite von 80 Zentimetern und einer Länge von lediglich 1,70 Meter dann eher für Kinder ausgelegt.

Durch den Niedergang steigt man zu den beiden Kabinen und zur Nasszelle hinab, wobei die Bugkajüte dank Oberlicht sehr hell ist. Die Doppelkoje, die auf zwei Meter Länge ausziehbar und bis zu 1,55 Meter breit ist, bietet zwei Erwachsenen genug Platz für eine gesegnete Nachtruhe. Die Stehhöhe beträgt übrigens 1,95 Meter, doch da geht noch mehr, wie die zweite Kabine mittschiffs mit einer Kopffreiheit von zwei Metern beweist. Dort ist ein geräumiges und teilbares Unterflur-Doppelbett mit zwei Metern Länge und einer durchgehenden Breite von 1,60 Meter installiert. Auch in der Nasszelle könnte so mancher Basketballspieler noch bequem stehen, doch ansonsten geht es eher beengt zu. Eine Pumptoilette gehört zur Grundausstattung, doch Warmwasser gibt es erst, wenn auch das Ausstattungspaket „Smart Edition“ für zusätzliche 9.550 Euro bestellt wird und eine Vielzahl weiterer Extras aus der Kombi-Duscharmatur.

Die Qual der Wahl bei den Motoren
“Mehr geht kaum” könnte das Motto für die Zahl der angebotenen Antriebsvarianten sein. Den Einstieg bilden vier Einzelmotorisierungen mit Außenbordern, die beim Mercury F 225 XXL Verado beginnen und beim F 350 XXL Verado enden. Außerdem lassen sich auch vier Doppelmotorisierungen bestellen. Hier beginnt der Spaß bei zwei Mercury F 115 EXLPT EFI und reicht bis zu zwei F 200 XL Verado, das mit insgesamt 294,2 kW (400 PS) die maximal zulässige Leistung für die Quicksilver Activ 855 Weekend bringt. Wer lieber mit Innenbordern und Z-Antrieb unterwegs ist, hat die Wahl zwischen drei Motoren, unter denen sich mit dem Mercury TDI 3,0L auch ein Selbstzünder befindet. Den Einstieg bildet der Mercruiser 350 MAG mit 224 kW (300 PS) und 5,7 Liter Hubraum, der auch im Testboot montiert war. Gleiche Leistung für mehr Geld gibt es mit dem Mercruiser 6,2L 300, der auch mit Katalysator angeboten wird. Das Spitzenprodukt bei den Innenbordern ist der etwas leistungsstärkere, aber ansonsten baugleiche Mercruiser 6,2L 350 ECT. Alle Innenborder werden übrigens mit einem Bravo-Three-Antrieb und gegenläufigen Doppelpropellern geliefert.
Kontrolliert wird die Kraft vom ergonomisch gut gestalteten Steuerstand aus, der eine klare Rundumsicht bietet und neben den serienmäßigen SmarCraft-Armaturen auch noch einen großen Kartenplotter aufnehmen kann. Ein Steuerkompass fehlt zwar, nicht aber die Fußstütze am verstellbaren Fahrersitz. Außerdem darf sich der Rudergänger über zwei serienmäßig montierte Scheibenwischer freuen.

Bei Vollbeschleunigung vergehen acht Sekunden, bis bei 3300 Umdrehungen und 16,4 Knoten die Gleitfahrt erreicht ist. Nach insgesamt 23 Sekunden liegt bei 5100 Umdrehungen und 33,4 Knoten die Höchstgeschwindigkeit an. Eine gute Reisegeschwindigkeit pendelt sich bei 4000 Touren und 24 Knoten ein, doch leider ließen sich keine exakten Verbrauchswerte ermitteln, weil auf dem Testboot die Instrumente noch nicht kalibriert waren. Der mit einem Fassungsvermögen von 400-Litern großzügig bemessene Kraftstofftank sollte allerdings attraktive Reichweiten ermöglichen. Mit der serienmäßigen Servolenkung blieb die Kurvenfahrt problemlos, wie auch alle anderen Fahrmanöver. Sehr gut: Das Deckshaus und die hochgezogenen Bordwände vermittelten Mitfahrern stets ein Gefühl von Sicherheit. Weniger gut: Das Gieren um die Längsachse bei Langsamfahrt, das bei einmotorigen Booten manchmal auftritt, kann bei längeren Touren mit geringer Geschwindigkeit unangenehm werden.

Einstiegsdroge mit Flexibilität
Mit einem Grundpreis von 87.800 Euro ist die Quicksilver Activ 855 Weekend mit dem Mercury F 225 Verado vergleichsweise günstig, wobei für die getestete Innenborder-Version mit dem Mercruiser 350 MAG 89.150 Euro fällig sind. Deutlich mehr, nämlich 111.650 Euro, kostet die Dieselmotorisierung, die sich deshalb nur für Vielfahrer lohnen wird. Auch wenn das Dekor am Testboot gewöhnungsbedürftig war und man in diesem Segment keine Qualitätswunder erwarten darf, liegt die Verarbeitung der Quicksilver Activ 855 Weekend für ihre Preisklasse auf gutem Niveau. Eine besondere Stärke des Bootes liegt in seiner Flexibilität und der Tatsache, dass es sehr gut individualisierbar ist, was allerdings die Bestellung von aufpreispflichtigem Zubehör zur Folge hat. Der Hersteller verspricht zwar sechs Schlafplätze, von denen im praktischen Betrieb vier bis fünf realistisch nutzbar sind. Dennoch ist dies recht stattlich für eine Yacht dieser Größe, die einlädt zu Ausflügen und Touren am Wasser mit Freunden und Familie. (aus de.boats.com 13.01.2016)

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