Quicksilver Captur 555 Pilothouse

 

Ihre Zugehörigkeit zur Quicksilver Captur Baureihe kann die 555 Pilothouse nicht verbergen. Die von Quicksilver gewählte Konstruktion gefällt optisch vielleicht nicht jedem auf Anhieb, bietet dafür aber reichlich Platz im Heck und der Kabine.

Bei der von uns getesteten 555 handelt es sich um das kleinste Modell der Baureihe Captur. Die Abmessungen des Bootes betragen 5,31 m in der Länge und 2,40 m in der Breite. Im Zusammenspiel mit ihrem Gewicht von 1170 kg plus Motor, Kraftstoff und Sonderausstattung, bleibt die Captur 555 Pilothouse gut trailerbar. Für den Straßentransport benötigt man ein Zugfahrzeug der 1900 kg Anhängelast-Klasse. Auf dem Wasser sorgen Langschaft-Außenborder aus dem Hause Mercury zwischen 60 und 115 PS für den Antrieb. Als Fahrgebiet wurde das Boot passenderweise nach C, also küstennahe Gewässer, typisiert. Entsprechend der Daten eignet sich die Quicksilver aus unserer Sicht nicht nur für Angler, die viel Platz im Heck benötigen, sondern genauso für zwei Personen mit Kind, die vorwiegend unterschiedliche Gewässer mit dem Boot erkunden möchten. Aber auch für Bootsneulinge, die den Spaß mit ihren Freunden (maximale Crew-Größe 5 Personen) teilen wollen, bietet die Pilothouse einen guten und bezahlbaren Einstieg in den Wassersport. 

Der Grundpreis unseres Testbootes in der Standardausführung ab Werft beläuft sich auf 24 950 € inklusive Testmotor – einem Mercury F 100 EFI. Dieser leistet mit seinen vier Zylindern und einem Hubraum von 1,8 l stolze 73,6 kW oder 100 PS. In Schub umgewandelt wird die Leistung von einem Spitfire Propeller mit den Maßen 4 x 13,4" x 15". Dass dieser für unsere Testbeladung von zwei Personen und dem halb vollen Kraftstofftank eine Nummer zu klein ist, zeigt die erreichte Motordrehzahl bei Volllast. Sie beträgt 6200 U/min, wobei der vom Hersteller empfohlene Volllastdrehzahl-Bereich zwischen 5000 und 6000 U/min liegt. Als Höchstgeschwindigkeit zeigt das Log 29,6 kn an. Der 90-l-fassende Kraftstofftank reicht bei dieser Geschwindigkeit für eine Strecke von 57 sm bevor die 15 % Reserve angebrochen werden. Zwar nicht so schnell, dafür 22 sm weiter fährt man mit der wirtschaftlichsten Gleitfahrt von gut 20 kn und einer Drehzahl von 4500 U/min.
Bei den mit Höchstgeschwindigkeit gefahrenen Extremmanövern zeigt sich die Captur 555 als gutmütig und sicher. Weder der Slalomkurs, noch das Verreißen des Steuers bringen die Pilothouse ins taumeln. Ebenfalls sicher absolviert sie die nach Steuer- und Backbord gefahrenen und immer enger werdenden Kreise. Zur Backbordseite hin schnappt der Propeller allerdings schneller Luft und macht ein erneutes Anfahren notwendig. Dass die 555 Pilothouse bei geringer Geschwindigkeit gut läuft, zeigt sich unter anderem bei der Hafengeschwindigkeit von 3 kn. Das Boot bleibt selbst bei ungleicher Beladung oder einer Gewichtsverlagerung stets auf Kurs. Erhöht man die Drehzahl und damit gleichermaßen die Geschwindigkeit auf 2000 U/min oder 5,4 kn, folgt der Rumpf der Gewichtsverlagerung und der Skipper muss gegensteuern.

Vom Cockpit aus gelangt man über das sich auf der Steuerbordseite befindliche Gangbord, mit einer Breite von 0,27 m, auf den Bug. Geht man darüber, krängt die 555 deutlich spür- und sichtbar. Unsicherheit kommt dabei dennoch nicht auf. Vorn angelangt kann man den selbstlenzenden Ankerkasten mit Bugbeschlag davor zum Ankern und Stauen verwenden oder sich auf die kleine Bank setzen. Bei längeren Personen schränkt allerdings der Dach- überstand des Fahrerhauses den Sitzkomfort ein.

In der Kabine befindet sich neben dem ausreichend ausgestatteten Fahrstand mit gut gepolstertem Fahrer- und Beifahrersitz, von denen man eine sehr gute Rundumsicht hat, zusätzlich eine V-förmige Liegefläche. Diese ist mit den aufpreispflichtigen Polstern ebenfalls komfortabel und bietet auf einer Fläche von 1,90 x 1,93 m Platz für bis zu zwei Erwachsene und ein Kind.
Bei den Staumöglichkeiten wie auch beim Cockpit zeigt die Quicksilver 555 Pilothouse ihre wahre Größe. Im Heck lässt sich nach dem Öffnen der zwei Bodenluken viel verstauen, was man an Bord benötigt. Zusätzlich gibt es in der Kabine ebenfalls eine Unterflurstaumöglichkeit.
Die Verarbeitung des Gelcoat auf den großen Flächen ist gut, es sind keine Dellen oder Unregelmäßigkeiten festzustellen. Einzig am Fahrstand zwischen Armaturenträger und Seitenwänden, wie auch an einigen Stellen des Schutzanstriches und der Silikonabdichtung, zeigt sich eine nicht überzeugende Arbeit der Bootsbauer. So sind die Konturen nicht geradlinig, der Schutzanstrich teilweise zu dünn und die Nähte unsauber verarbeitet. Dafür sind alle Installationen rund um den Motor handwerklich gut ausgeführt. Die Kabelbäume und elektrischen Leitungen sind mit Kabelbindern und Haltelaschen gut befestigt. Letzteres gilt ebenfalls für Batteriekasten und den Kunststoff-Kraftstofftank. Alle Schläuche der Kraftstoffversorgung sind durch jeweils zwei Schraubschellen gegen Abrutschen gesichert. Zu den weiteren Dingen, die der passiven Sicherheit dienen, zählen wir die Cockpitseitenhöhe von 0,72 m, eine durchgehende Anti-Rutsch Struktur an Deck und den Handlauf am Kabinendach wie auch eine stabile Reling am Bug der 555 Pilothouse. Hingegen überzeugt uns die aktive Sicherheitsausstattung nur teilweise: Der serienmäßige Feuerlöscher ist von der Größe und der Positionierung am Fahrstand gut, jedoch reicht uns bei der Lenzeinrichtung nur eine elektrische Bilgenpumpe allein nicht aus. Für den Fall, dass das Bordnetz zusammenbricht, ist eine zusätzliche manuelle Bilgenpumpe unabdingbar.

In Sachen Komfortausstattung zeigt sich, dass die Captur 555 Pilothouse vorwiegend für den Angelausflug gedacht ist. Entsprechend gehören Dinge wie Rutenhalter, Fischkiste und eine Angelaufbewahrungsmöglichkeit im Cockpit zum Standard. Um das Boot etwas komfortabler und für längere Wochenendtouren nutzen zu können, wird man um mindestens eins der insgesamt fünf wählbaren und aufpreispflichtigen Ausstattungspackete nicht herumkommen. Zusätzlich gibt es weitere nützliche Dinge zum Touren wie ein Camperverdeck, Bimini, Scheibenwischer und Hydrauliklenkung optional. Im Komfort-Kabinen-Paket für rund 1850 € sind Vorhänge, Dachluke, Liegeplatzpolster und ein Notsitz zwischen Fahrer- und Beifahrersitz enthalten. Wem das nicht reicht, der kann für insgesamt 950 € die Polster für den Bug und die beiden Sitzplätze im Cockpit sowie eine Arbeitsleuchte und einen Cockpit-Tisch im Paket „Cockpit“ erwerben. Für stolze 2900 € bekommt man in der Smart-Edition beide Pakete und weitere Ausstattungsteile aus dem Angelpaket wie ein Seewasser-Spülsystem, zwei zusätzliche Rutenhalter und ein Köderbehältersystem. (aus Boote 11/2014)

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